Editorial

Sich selbst aufgeben und für das Königreich leben (Graziano Crepaldi)

In letzter Zeit erhalten wir regelmässig Nachrichten und Anrufe von Leitern und Nachfolgern aus der ganzen Welt, die uns unzählige Geschichten von Einzelpersonen erzählen, welche alles riskieren, um Die Botschaft des Königreichs an unbekannte Orte zu bringen. In Krisenzeiten opferten sie ihren Komfort, Kultur, Wünsche und letztendlich sogar ihr Leben, um dem Ruf von Christus zu folgen "Nachfolger aus allen Nationen hervorzubringen" (Matthäus 28,19). Jene Geschehnisse erinnern uns an die Worte von Paulus:"Christus ist mein Leben und sterben ist mein Gewinn"(Phil. 1, 21). Er betonte in seinen Briefen an die ersten Gemeinden viele Male die Dringlichkeit, Christus zu verkünden und komplett fürs Königreich zu leben – unabhängig von Schwierigkeiten und persönlichen Herausforderungen dabei. Viele Gläubige sind überzeugt, dass jener Lebensstil nur für diejenigen gilt, welche auf dem Missionsfeld arbeiten oder die eine aussergewöhnliche Berufung von Gott in Bezug auf Leiden sowie Aushalten von Verfolgung erhalten. Dies zeigt, wie sehr wir uns von einem Christus-zentrierten Lebensstil entfernt haben. Die Haltung der Welt sagt: Lebe für dich selbst … Die Bibel aber lehrt: Dein Ego (Fleisch) muss sterben! Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, und deshalb ist es so wichtig, dass wir die Wege Gottes besser verstehen! Jesus gab Seinen Nachfolgern den Schlüssel für ein erfolgreiches Leben, das viel Frucht bringt:  "Wenn jemand Mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach." (Matthäus 16, 24). Dem Fleisch absterben wird in Der Bibel nie als lediglich eine “Option” im Leben des Gläubigen dargestellt. Als Nachfolger von Jesus haben wir “unser Kreuz täglich anzunehmen” und Ihm überall hin zu folgen. Tod ist die Abwesenheit von Leben, deshalb hört jemand auf zu existieren, wenn er stirbt und ist somit nicht länger besorgt um “seinen eigenen Willen oder sein eigenes Glück”, weil er nicht mehr länger im Zentrum steht! Christus sagte “dem Fleisch abzusterben” ist tatsächlich eine positive und keine negative Aussage: "… denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um Meinetwillen, der wird es finden!" (Matthäus 16, 25). Im Sterben des fleischlichen (ego-zentrierten) Lebens entdecken wir ein “überfliessendes Leben”, indem wir abhängig von Gott sind, der mit so viel mehr versorgt, als wir es uns überhaupt vorstellen können.

Ein echter Nachfolger von Christus versteht, dass Gott ihn aus einem bestimmten Grund erschaffen hat, und dass er/sie ein wertvoller Teil von Gottes Plan für die Welt ist. Um von Gott gebraucht zu werden, ist es zentral, dass wir unsere Identität erkennen und verstehen, wie Gott uns brauchen will. Jesus sagte: "Dadurch wird Mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und so zeigt, dass ihr meine Nachfolger seid." (Johannes 15,8) Dies ist die Sehnsucht unseres Vaters – wir sind gerettet, um Frucht zu tragen und "erschaffen in Jesus Christus für gute Werke" (Epheser 2, 10). Wir tragen Frucht, wenn Christus Sein Leben in und durch uns lebt. (Johannes 15,5; Galater 2,20). Gott möchte, dass wir ein göttliches und geistlich produktives glückliches Leben führen. Viele Menschen staunten und staunen noch heute über das Leben von Jesus, aber als sie von Ihm dazu aufgefordert werden, Ihm nachzufolgen, lehnten die allermeisten ab, weil sie nicht gewillt waren, Ihn als König zu sehen, der sie in ein komplett neues Leben führen würde. Sie konnten Folgendes nicht verstehen: "Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter oder sich selbst mehr liebt als Ihn, ist Seiner nicht würdig." (Matthäus 10,37-39). Paulus sagte: "Ich wurde mit Christus gekreuzigt; und nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir (Gal. 2,20)." und er sah sich selbst sogar als "Sklave von Christus" (1. Kor. 9,16-23). All das hat nichts mit einem Bühnen-Christentum, gemütlicher Musik, einem guten Einkommen oder einer coolen Leiterschafts-Position zu tun. Paulus’ apostolischer Stil beinhaltete ständige Gefahr, das Risiko, jeden Tag zu sterben (1. Kor. 15,30-31), eine Tonne an Kritik von Leuten und alle möglichen Probleme, damit Die Gute Botschaft mit jenen, welche noch nie davon gehört hatten, geteilt werden konnte! Wie ist es möglich, so glücklich über ein Leben voller Quälerei zu sein und sich dabei sogar darin zu rühmen, ein Diener zu sein? Das ist einzig und allein möglich, wenn du ein toter Mann/ eine tote Frau bist, mit der riesigen Liebe von Christus erfüllt...

Die meisten Menschen sind sich ihrer Selbstzentriertheit nicht einmal richtig bewusst. Doch Tatsache ist, dass niemand von uns gut oder “auf andere ausgerichtet” geboren wurde. Aufgrund des Sündenfalls "wollen wir wie Gott sein" (1. Moses 3,5). Die Anteile an Stolz, welche den ersten Menschen charakterisieren, sind auch in uns. Stolz hält uns davon ab, Gottes Liebe zu empfangen. Wir sind so voll von uns selbst, dass wir sogar denken, unsere Bedürftigkeit für Gott sei gar nicht so gross. Der geistliche Tank in unserem Leben bleibt leer und deshalb jagen wir anderen “Liebhabern” nach, um uns selbst zu füllen. Dies ist der Ursprung des Götzendienstes (Vergötterung anderer Dinge als Gott), und es drückt sich in vielen Formen aus: eine Beziehung, die wir mehr wertschätzen als Gott selbst; das Verlangen nach materiellem Reichtum; die Sehnsucht, Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen statt anderen zu helfen, sich auf Gott zu fokussieren. Die Welt ist voller Götzen, die sich zwischen Gott und uns stellen. Alles, was bewirkt, einen “Ich-Fokus” statt einen “Gott-Fokus” zu haben, ist eine Form von Stolz und damit gegen Ihn. Die zwei Dinge, welche uns von Gott fern halten und denen wir absterben müssen, wenn wir Gott gefallen wollen, sind: Stolz (ein selbstzentriertes Leben) und Vergötterung (die Verlangen des Fleisches).

Das Sterben des Fleisches (Egos) ist keine einfache Aufgabe, und es beinhaltet oft einen richtigen Kampf, wenn wir versuchen, unseren Willen dem Willen Gottes zu unterordnen. “Denn das Fleisch richtet sich gegen den Geist auf, und der Geist richtet sich gegen das Fleisch auf. Die beiden sind gegeneinander, so dass ihr nicht dass tun könnt, was ihr wollt” (Gal. 5, 17). Die gute Nachricht ist, dass Gott denjenigen, welche den guten Kampf kämpfen, Gnade schenkt. Aus persönlicher Erfahrung habe ich entdeckt, dass ich verzweifelt sein muss, wenn ich eine Veränderung erleben möchte. Wir müssen Sünde hassen und die Arbeit des Geistes, welche das Gegenteil des Fleisches ist, lieben (Matthäus 6,24). Auch ist die Arbeit des Heiligen Geistes in unserem Leben absolut zentral. Bitte Gott, dir diejenigen Bereiche in deinem Leben aufzuzeigen, die du Ihm unterordnen solltest, und bitte Ihn um die Gnade, sie zu unterordnen. Sei dann zuversichtlich, dass Er dich von deinem Unglauben befreien wird. (Markus 9,24)

Wir sind in dieser Welt in einem ständigen Kampf gegen das Fleisch, und Paulus erklärt: "Als wir von unserem Fleisch beherrscht wurden, bewirkten die sündigen Leidenschaften, die durch das Gesetz sind, in uns Frucht, welche Tod bringt. Doch jetzt sind wir vom Gesetz befreit, denn wir sind mit Christus gestorben und der Macht des Gesetzes nicht länger unterstellt. Deshalb können wir Gott von nun an in einer neuen Weise dienen - nicht wie früher durch Einhaltung jedes einzelnen Buchstabens des Gesetzes, sondern durch den Heiligen Geist." (Römer 7, 5-6) Das Fleisch ist ein Zerstörer, und wenn wir dem Fleisch Raum geben, ihm dienen und folgen und auf seine Stimme hören, wird es über uns herrschen. Die wahre Frage ist: Hassen wir das Fleisch wirklich? Paulus war sehr ehrlich diesbezüglich und über die Auswirkungen, wenn wir „uns selber dienen. Das Fleisch bewirkt in jedem Fall/immer den Tod, weil es Gott feindlich gesinnt ist (Römer 8).”
Die gute Botschaft ist, dass wir aufhören können, ein “selbstzentriertes” Leben zu führen. Das Leben eines Nachfolgers basiert auf Demut. Wenn wir die Bereitschaft haben, uns zu demütigen und die absolut rebellische Natur des Fleisches erkennen, werden wir aufhören, unser altes Ich zu ernähren, und unser geistliches Wachstum wird durch die Kraft des Heiligen Geistes geschehen.

Jesus schaffte es, dem Fleisch zu widerstehen, weil Er ein “beständiges Gebetsleben” führte, durch welches Er im Einklang mit Gott (dem Vater) blieb. Der Heilige Geist führte Ihn in die Wüste, um durch den Teufel versucht zu werden (Matthäus 4,1-16), doch Er wusste, dass Gebet, Fasten und die Bibel (das Wort) der einzige Weg waren, dem Feind zu widerstehen. Diese Schlüssel-Elemente sind perfekt, um das Fleisch zu kreuzigen, so dass der innere Geist leben kann. Jesus kämpfte gegen Satan und Dämonen, als Er auf Erden war, und auch wir kämpfen heute gegen sie. Die “Waffen”, die Er gebrauchte, sind dieselben, die wir auch nutzen müssen (Epheser 6,10-18).

Die Bibel lehrt uns, dass wir "trainieren sollen, den Willen Gottes zu tun" (1. Timotheus 4,7) und „ehrt Christus als König in euren Herzen" (1. Petrus 3,15). In der jetzigen Phase der Gemeinde ist es so wichtig, dass wir unsere Herzen und unser Verlangen zurück auf Gott ausrichten und weg von irdischen Quellen. Jesus sagte: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es alleine; wenn es jedoch stirbt, bringt es viel Frucht hervor." (Johannes 12,24) Das bewegt uns weg vom selbstzentrierten Lebensstil und macht uns offen dafür, ein Nachfolger von Christus zu sein, der sich zutiefst um andere kümmert. Es ist einfacher, uns den Bedürfnissen, Interessen und Nöten von anderen Menschen zu widmen (Phil. 2,3-4) und Nachfolger hervorzubringen, wenn wir nicht mehr länger auf unsere eigenen Interessen fixiert sind.