Editorial

Aufbau von göttlichen Beziehungen in Königreichsgemeinschaften (Graziano Crepaldi)

Das Herzstück des Lebens der Jünger Jesu ist eine Gemeinschaft, die auf starken Beziehungen aufbaut. Wie können wir in einer gefallenen Welt voller Herausforderungen gesunde Beziehungen zu anderen Gläubigen aufbauen (Epheser 6:10-20)? Der Teufel will nicht, dass unsere Gemeinden mit liebevollen Beziehungen wachsen, die von Frömmigkeit, Gnade, Ermutigung und Vergebung erfüllt sind. Er möchte, dass wir entmutigt sind und uns gegenseitig bekämpfen, denn wenn wir in unsere eigenen Probleme verstrickt sind, wird unser Fokus nicht auf Christus liegen. Das ist der Grund, warum Jesus sagte: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." (Johannes 13,35). In diesen Krisenmonaten haben wir leider viele ängstliche Menschen beobachtet, die sich aus Beziehungen zurückziehen, und der Hauptgrund dafür war nicht das Covid-19-Virus. Unser geistliches Leben scheint bequemer zu sein, wenn wir zu Hause sitzen und unseren Lieblingspredigern im Internet zuhören oder den Gottesdienst am Sonntagmorgen auf einem Bildschirm verfolgen. Gemeinschaft und der Aufbau gesunder Beziehungen können kompliziert und gefährlich sein und erfordern sicherlich Anstrengung und Opfer. Leider hat sich die egozentrische Kultur der Welt in unsere Gruppen eingeschlichen, aber Gott hat uns nicht als Einzelgänger auf unserem Weg vorgesehen, sondern er möchte, dass wir in einer örtlichen Gemeinde sind, in der "Liebe und gute Werke" in der Familie gelebt werden können. Die Heilige Schrift ist voll von Hinweisen, wie man Beziehungen auf Gottes Weise gestalten kann. Schauen wir uns einige konkrete Gründe an, warum Gemeinschaft mehr Nutzen haben könnte, als wir denken:

GEMEINSCHAFT ERFÜLLT DIE PRAKTISCHEN BEDÜRFNISSE DER JÜNGER
In der frühen Kirche konnten die Menschen ihre physischen Bedürfnisse stillen. In der heutigen Zeit sind wir oft zu stolz, um Hilfe zu bitten, und viele schämen sich, ihre Mauern fallen zu lassen und sich helfen zu lassen. Seit mehreren Jahren engagieren wir uns für Menschen in Not, und unsere Mitarbeiter hatten in diesen Monaten keine andere Wahl, als in die Kultur der Apostelgeschichte 2:42-47 einzutreten, so wie die Jünger: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden". Es war eine Überraschung, dass sich auch so viele Nichtchristen an unseren Projekten beteiligten. Der Leib Christi wurde geschaffen, um einander auf praktische Weise zu unterstützen und zu lieben, und dabei können wir viel über Liebe lernen. In der Gemeinschaft öffnet Gott uns die Augen für die Bedürfnisse anderer. Paulus sagte: "Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann" (1. Thess. 5,14). Die Bibel lehrt uns, diejenigen zu stärken, die niedergeschlagen sind, und die Gemeinschaft ruft uns auf, unsere Selbstbezogenheit und Selbstverliebtheit aufzugeben, um uns auf Gott und andere Menschen in Not zu konzentrieren.
Bist du bereit, anderen in der Gemeinschaft zu dienen und zu lernen, sich selbst um der Liebe zu Gott und Ihrem Nächsten willen zu sterben?

GEMEINSCHAFT FORDERT DICH HERAUS, JESUS ÄHNLICHER ZU WERDEN
Gottes bestes Werkzeug zur Veränderung ist das Zusammenleben mit anderen Menschen. Dies geschieht in der Ehe aber auch in jeder anderen Form der Gemeinschaft und überall dort, wo wir in verbindlichen Beziehungen stehen.
"…und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einan-der ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht." (Hebr. 10,24-25). Wir sind dafür verantwortlich, uns gegenseitig in der Nachfolge zu ermutigen, Gott und sein Reich zu suchen. Leider konzen-trieren sich viele Kirchen mehr auf Programme als auf Beziehungen, und infolgedessen haben viele Menschen gelernt, ihre Masken zu behalten -auch religiöse Masken- um ihre Probleme zu verbergen. In Sprüche 27,17 heisst es: "Ein Messer wetzt das andre und ein Mann den andern". Die Gemeinschaft des Reiches Gottes ist ein Ort und ein sicheres Umfeld, in dem Gott uns zu unseren früheren Verletzungen zurückführt und uns durch unsere Brüder und Schwestern dienen will. So werden wir als Nachfolger Christi Ihm immer ähnlicher.
Bist du bereit, aus deinen Ängsten und deiner Isolation heraus-zukommen und den Menschen um dich herum zu erlauben, dir zu helfen, wie Jesus zu werden?

GEMEINSCHAFT HILFT DIR IN DER BEZIEHUNG ZU GOTT UND IN DER ENTDECKUNG DEINER GABEN

Es gibt eine unglaubliche Kraft, wenn Gläubige zusammen-kommen, einander Rechenschaft ablegen und bereit sind, andere Jünger in der Beziehung zum Vater zu ermutigen. Wir brauchen Menschen, die schwierige Fragen stellen und uns herausfordern, unseren Glauben im Licht zu leben. "… und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dank-bar" (Kolosser 2,7).
Die Gemeinschaft wird uns helfen, sensibler für die Gegenwart Gottes zu werden, und sie wird uns die Möglichkeit geben, unsere Gaben zu entdecken und sie dann zum Segen anderer einzusetzen. Jeder von uns hat eine bestimmte Rolle im Leib Christi, und wenn wir lernen, zusammenzuarbeiten, wird Gott in unserer Mitte verherrlicht werden (1. Korinther 12,27).
Bist du bereit, deine Gaben in der Gemeinde einzubringen und anderen zu helfen, in der Beziehung zu Gott zu wachsen?

GEMEINSCHAFT ERFÜLLT UNSER BEDÜRFNIS NACH LIEBE UND STÄRKT DIE EMOTIONALE FITNESS
Gestillte emotionale Bedürfnisse sind ebenfalls sehr wichtig für unser Leben und geistliches Wachstum. Paulus forderte die Gläubigen in Galatien auf, "Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Galater 6,2). Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Brüdern und Schwestern in Christus. Das bedeutet nicht, dass wir uns von den Menschen um uns herum missbrauchen lassen müssen, aber wir sollen sensibel sein und für diejenigen da sein, die Gott uns gegeben hat. Unsere Lasten sollten wir zuerst auf Jesus werfen und nicht ständig auf andere abwälzen!
In 1. Petrus 5,7 heisst es: "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch". In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie viele Menschen ihre Teams und Gemeinden in Krisenzeiten verlassen haben, wenn sie die Hilfe und Korrektur meisten benötigt hätten. Der Grund dafür liegt oft in vergangenen ungelösten Konflikten (vor allem in der Familie) und in der Unwilligkeit, Korrektur von anderen Menschen zu erhalten. Es ist wichtig, dass wir lernen, ehrlich miteinander umzugehen, denn das ist es, was eine echte Gemeinschaft ausmacht. "So ist's ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reisst nicht leicht entzwei." (Prediger 4,9-12).
Kannst du Liebe und Korrektur von anderen Menschen in deiner Gemeinschaft annehmen? Bist du sensibel für die Bedürfnisse der anderen?

DIE GEMEINSCHAFT BIETET MÖGLICHKEITEN ZUR HEILUNG
Die Gemeinde ist der Leib Christi und ruft ihre Mitglieder auf, heilende Gemeinschaft zu werden. Die Erfahrung von Liebe, Akzeptanz und Unterstützung innerhalb einer Gemeinschaft, in der Gottes Liebe offenbar wird, kann eine starke heilende Kraft sein. Die Gemeinschaften des Reiches Gottes sind geistliche Familien, die Gott geschaffen hat, um uns zu lehren, ehrlich miteinander umzugehen, unsere Sünden zu bekennen und uns von den Dingen zu befreien, die uns von Gottes Liebe zurückhalten. Wir sind Gott so dankbar für all die Leiter und Gemeinden, die er benutzt hat, um in uns zu wirken. "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist" (Jakobus 5,16).
Ist deine Gemeinde ein Ort der Heilung, mit Menschen, die bereit sind, dich zum Jünger/zur Jüngerin zu machen und dir zu helfen, aus deiner Vergangenheit herauszukommen?

GEMEINSCHAFT LEHRT DICH, ZU VERGEBEN UND KONFLIKTE ZU VERARBEITEN
In jeder Gruppe und Familie sind Konflikte unvermeidlich. Gott ruft uns dazu auf, was uns trennt, zu überwinden und in unseren Beziehungen Wiedergutmachung zu suchen. Unser Vater bittet uns, Friedensstifter und nicht nur Friedenswahrer zu sein (Matthäus 5,9). Kürzlich erlebten wir, wie einige liebe Freunde einfach aufhörten, mit uns zu sprechen und den Kontakt völlig abbrachen. Wir haben unser Bestes gegeben, um ihre Herzen zu erreichen, aber es gab keinen Weg. "Ein gekränkter Bruder ist abweisender als eine feste Stadt, und Streitigkeiten sind hart wie der Riegel einer Bu-rg“ (Spr. 18,19). Sie hören einfach auf zu reden und lassen zu, dass die Angst vor Konflikten und Konfrontationen ihre Seelen übernimmt, was zur Folge hat, dass sie aus wertvollen Beziehungen fliehen. Wir haben festgestellt, dass diese Menschen ihre Beziehungen oft idealisieren und von einer Gemeinschaft ohne Konflikte und Meinungsverschiedenheiten träumen. Dies ist keineswegs ein biblisches Modell, sondern Jesus ruft uns in Mt. 18 auf, unsere Meinungsverschiedenheiten miteinander als Team und, wo nötig, mit Hilfe reifer Leiter zu überwinden. Einheit kann nicht auf natürliche Weise erreicht werden, sondern ist das Werk Gottes, wenn es darum geht, unseren Stolz, vergangene Verletzungen, falsche Haltungen und Kommunikationsschwächen zu überwinden. "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung" (1. Korin-ther 1,10). Vergebung ist keine religiöse Formel, die wir sprechen, wenn wir bereits beschlossen haben, schwierige Beziehungen zu beenden, sondern sie ist ein tiefes Werk Gottes durch unsere Interaktionen in der Gemeinschaft. Jesus litt unter den Freunden, die er liebte, und beschloss, die Beziehungen zu ihnen wiederherzustellen, nachdem sie ihn verlassen hatten. Dies ist der schwierigste Schritt, den wir tun müssen: "Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge." (1. Petrus 4,8-11).
Wie gehen Sie mit Konflikten in Ihrer Gemeinde um? Sind Sie bereit, trotz der Unterschiede in Ihren Beziehungen zu wachsen?

Die Gläubigen in der Urgemeinde waren «Sie-blieben-aber-beständig-in» -Gemeinschaften (Apg. 2,42). Diese Art von Liebe war selbstsüchtigen und bösen Menschen unbekannt und stellte die Welt auf den Kopf. Wir können uns Christus (dem Haupt des Leibes) nicht hingeben, ohne der Kirche (seinem Leib) ergeben zu sein. Es ist zu einfach, beleidigt zu sein und sich von der Gemeinschaft abzuschneiden, aber Gott schenkt uns einander, um unser Bedürfnis nach Liebe zu stillen und zu lernen, wie er zu werden!
Möchten Sie wissen, wie Sie eine Jüngerschaftsbewegung in Gang setzen und Königreichsgemeinschaften in Ihrer Gegend gründen können? Es wäre uns eine Ehre, Sie auf diesem Weg zu begleiten!

TIPPS FÜR GESUNDE BEZIEHUNGEN
Im Epheserbrief gibt Gott sehr praktische Einblicke in die Art und Weise, wie wir uns gegenseitig behandeln sollen.

  • Epheser 4:2 - "in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe". Seid demütig, sanftmütig, ertragt einander.
  • Epheser 4:3 - "und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens". Einheit bewahren.
  • Epheser 4:15 - "Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus". Sprich die Wahrheit.
  • Epheser 4:25 - "Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind". Belügt euch nicht gegenseitig.
  • Epheser 4:26 - "Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen". Achte auf deinen Ärger.
  • Epheser 4:29 - "Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören". Achte auf deine Worte.
  • Epheser 4:32 - "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus". Sei freundlich und nachsichtig.
  • Epheser 5:1-2 - "So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch". Sich für einander aufopfern.
  • Epheser 5:3-4 - "Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Re-den stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung“.
    Vorsicht mit Witzen.
  • Epheser 5:21 - "Ordnet euch einander unter in der Furcht Chri-sti“. Seid einander untergeordnet.
  • Epheser 5:22 - "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn". Ehefrauen sollen sich ihren Ehemännern unterordnen.
  • Epheser 5:25 - "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahin-gegeben“.  Ehemänner sollen ihre Ehefrauen lieben.
  • Epheser 6:1 - "Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht". Kinder sollen ihren Eltern gehorchen.
  • Epheser 6:4 - "Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn“. Väter sollen ihre Kinder die Wege Gottes lehren.
  • Epheser 6:5 - "Ihr Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens als dem Herrn Christus". Mitarbeiter, gehorcht eurem Arbeitgeber.
  • Epheser 6:7 - "Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen". Mitarbeiter sollen Jesus bei der Arbeit dienen.
  • Epheser 6:9 - "Und ihr Herren, tut ihnen gegenüber das Gleiche und lasst das Drohen; denn ihr wisst, dass euer und ihr Herr im Himmel ist, und bei ihm gilt kein Ansehen der Person“. Arbeitgeber sollen ihre Mitarbeiter fair behandeln.
  • Epheser 6:12 - "Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel". Kämpfe nicht gegen Menschen. Bekämpfe den Feind, den Teufel.
  • Epheser 6:18 - "Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen". Bete für deine Brüder und Schwestern.