Editorial

Das Rennen laufen und die Aufgabe beenden  (Graziano Crepaldi)

“Wie Zuschauer im Stadion die Wettkämpfer anfeuern, so sind diese Zeugen des Glaubens Vorbilder für unseren Kampf. Darum wollen wir alles ablegen, was uns in diesem Kampf behindert, vor allem die Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit zäher Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sonder allein auf Jesus. Er hat uns gezeigt, wie man diesen Lauf beginnt und als Sieger ans Ziel gelangt. Weil grosse Freude auf ihn wartete, erduldete Jesus den schmachvollen Tod am Kreuz. Jetzt hat er als Sieger den Platz an der rechten Seite Gottes eingenommen.“  (Hebräer 12: 1,2)  

In diesen Versen kommt heraus, dass wir den richtigen Vorbildern nacheifern müssen. In Kapitel 11 werden diese Zeugen die Helden des Glaubens genannt. Das sind die Männer und Frauen, die dieses Rennen mit Ausdauer durchhielten trotz grosser Hindernisse. Durch ihr eigenes Leben ermutigen sie uns, nicht aufzugeben! Deshalb sollten wir sicher sein, dass unsere Helden Männer und Frauen nach Gottes Herzen sind, die ihr Rennen mit Ausdauer laufen. Dann werden wir auch aufgefordert, alles loszulassen, das unseren geistlichen Lauf noch behindert. Erfolgreiche Läufer gehen mit so wenig Gewicht wie möglich ins Rennen und genauso sollten auch wir alles ablegen, das Gott nicht gefällt. Zuletzt schauen wir auf zu Jesus, der unser bestes Vorbild ist und folgen seinem Beispiel.

Im 1. Mose 1:27 lesen wir, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde machte und er war sehr zufrieden mit allem, das er gemacht hatte. “Und Gott sah alles, das er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.” (1. Mose 1:31). Dies bedeutet, dass wir einen innerlichen Drang nach dem göttlichen Charakter unseres Schöpfers haben und der Wunsch tief in uns drin sitzt, seinen Charakter zu reflektieren. Unser himmlischer Vater hilft uns gerne dabei.

In den letzten Jahren trafen wir durch unsere Arbeit in Jüngerschaft und Gemeindebau immer wieder Menschen von verschiedenen Ländern und Hintergründen, die ein tiefes inneres Bedürfnis nach Erfüllung in Gott hatten. Dies trieb sie an, ihr Rennen zu laufen und den guten Kampf zu kämpfen.
Vor einigen Jahren lernten wir zwei sehr alte Männer in Russland kennen, die uns ihr Leben erzählten. Nach ihrer Bekehrung waren sie einige Jahre mit Jesus unterwegs gewesen. Dann wurden sie wegen ihres Glaubens verhaftet und in ein Arbeitslager in Sibirien geschickt. Über zwanzig Jahre lebten sie in diesen widerlichen Umständen und kämpften gegen schlimme Krankheiten und Verfolgung. Trotz allem wurde dieses Gefängnis zu einem Ort, wo sie viele Menschen zu Jesus führen konnten. Dieses Ge-fängnis wurde eine Gemeinde und die beste Bibelschule! Als sie wieder frei kamen, waren sie zu alt um zu heiraten, zu arm, um neue Kleider zu kaufen und zu schwach, um zu arbeiten. Aber als wir mit ihnen sprachen, sahen wir eine tiefe Erfüllung, die aus ihren Augen strahlten und es wurde uns klar, dass diese Männer ihr Rennen schon bald erfolgreich beenden würden. Dies berührte uns zutiefst. Noch nie hatten wir Menschen getroffen, die so mit Gott, sich selbst und anderen im Frieden lebten und da war kein Stolz in ihren Augen. Sie folgten Jesus auf dem harten und schmalen Weg des Gehorsams, der zum ewigen Leben führt, ohne, dass sie ihr Leben planen konnten. Viele Menschen in der Umgebung wurden durch ihr Zeugnis berührt und begannen Jesus nachzufolgen. Dadurch wurde die ganze Region beeinflusst. Viele von uns sind so mit unseren Visionen und Zielsetzungen beschäftigt, dass wir unseren eigenen, selbst gemachten Dienst basteln und mit anderen wetteifern, die uns das Gefühl geben, sie seien besser als wir. So schaffen wir uns selbst ein Umfeld, das wir mit eigener Kraft managen können. Andere haben ihre Vision aufgegeben.

Jesus schaute seine Jünger ernst an und sagte: “Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott, denn bei Gott ist nichts unmöglich” (Markus 10:27). Mit anderen Worten: der gottgegebene Auftrag wird erfüllt werden, weil Er derjenige ist, der das vollbringt, was er uns aufgetragen hat. Darum beten wir nicht, dass Gott unseren Dienst segnet, sondern, dass wir im Gehorsam das tun können, das er von uns will.

An jenem kalten Abend lehrten unsere russischen Brüder uns eine wichtige Lektion, die wir nie mehr vergessen werden. Wir sind Werkzeuge in Gottes Hand und teil von seinem wunderbaren Plan. Er kennt unsere Gaben und unsere Zukunft und Er wird uns bis zum Ende führen. Dieses wunderbare Versprechen ermutigt uns und wird uns dazu bringen, unseren Lauf erfolgreich zu beenden: “Ich bin mit euch bis an das Ende dieser Welt!” (Mt. 28:20). Unser Gott ist der Gott des Anfangs und der Gott des Endes!


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