Editorial

Habt nicht lieb die Welt...  (Graziano Crepaldi)

"Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit." (1. Johannes 2. 15-17)

Seit wir mit Jesus unterwegs sind, werden wir damit herausgefordert, wie wir unser Leben auf Gott ausrichten, und wie wir vom Druck und den Wünschen der Welt befreit leben können. Gleichzeitig beobachten wir, wie viele christliche Leiter, die sozusagen «relevant» für ihre Kultur werden wollten, genauso geworden sind wie die Menschen, die sie verändern wollten und sich dadurch nicht mehr von ihnen unterscheiden. Paulus warnt uns vor dieser Gefahr in Römer 12:2 als er schrieb: « Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes». Am Ende seines Lebens schrieb Paulus traurig an Timotheus, (2. Timotheus 4:10), « Denn Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf lieb gewonnen hat, und ist nach Thessalonich gegangen.» Obwohl Demas einst ein Mitarbeiter von Paulus war (Philemon 24), hatte er sich der Versuchung der Welt hingegeben.

In den letzten Jahren haben wir geliebte Mitarbeiter und Freunde mit wertvollen Gaben und Berufungen verloren, da sie nicht den Versuchungen der Welt widerstehen konnten. Der allgegenwärtige Einfluss der modernen Medien hat die Herausforderung nur noch schwieriger gemacht. Täglich werden wir bombardiert, indem uns attraktive Leute vermitteln, dass wir nicht glücklich sein können, wenn wir nicht dieses oder jenes Produkt kaufen oder ihren Lebensstil annehmen.

Auf der anderen Seite hatte der Versuch von Christen, der Weltlichkeit entgegenzuwirken, oft zum gegenteiligen Extrem geführt. Sie haben sich von der Welt zurückgezogen und haben eine religiöse und gesetzliche Weltanschauung entwickelt, um ihr Fleisch zu kontrollieren. Paulus hat dazu sehr klar gesagt: «Sie mögen weise wirken, weil sie Hingabe, Demut und strenge körperliche Disziplin verlangen. Aber sie sind ohne Wert und dienen nur menschlichen Zielen.» (Kolosser 2:23) Daher bietet dies auch nicht die Lösung des Problems.

Weltlichkeit ist eine Sache des Herzens. Wenn dein Herz von der Welt eingenommen ist, wirst du die Dinge dieser Welt lieben. Wenn dein Herz von der Liebe Gottes eingenommen ist, wirst du dich zu ihm hingezogen fühlen und die Dinge tun, die Gott gefallen. Der einzige Weg, wie unser Herz verändert werden kann, ist durch eine klare geistliche Neugeburt. Um die Gläubigen zu warnen, schrieb Johannes in seinem Brief von dieser Zeit, in welcher sie behaupten, dass sie Gott erlebt haben, aber immer noch in Dunkelheit leben. Ist das nicht die aktuelle Situation der heutigen Gemeinde?

In seinem Brief erwähnt Johannes drei Anhaltspunkte, an denen die Nachfolger Jesu diese falschen Ideen und auch ihren eigenen Glauben überprüfen können: 1. auf moralischer Ebene: Test des Gehorsams, 2. auf Beziehungsebene: Test der echten Liebe für andere und 3. auf doktrinärer Ebene: Test über die Wahrheiten, die wir über Christus glauben. Ich erkläre, was ich damit meine: 


1. Moralische Ebene: In 1. Johannes 2:3-6 fordert uns Johannes auf, dass ein authentischer Glaube Gehorsam zu Gottes Geboten produziert. Die Jünger, welche wir schnell haben wachsen sehen und die Gott am meisten in unseren Teams gebraucht, sind die, welche sich wahrhaftig Gott verpflichtet haben und die Jesus auch als ihren König und nicht nur als ihren Erlöser sehen. Es scheint zu einfach zu sagen, aber Gott gebraucht gerne jene, welche bereit sind, das zu tun was er sagt und ihm nachzufolgen, ganz egal was ihre schwierigen Umstände und persönlichen Probleme sein mögen. 

2. Beziehungsebene: In 1. Johannes 2:7-11 finden wir den zweiten Test: Authentischer Glaube macht sich in der Liebe für andere sichtbar. Wir sind immer sehr beeindruckt von Leuten, welche bereit sind zu vergeben oder die ihr Recht aufgeben, um Beziehungen wieder herzustellen. In unseren westlichen Nationen beobachten wir viele Gläubige, die aus schwierigen Beziehungen und Gemeinschaften flüchten. Sie lieben die anderen so lange, wie es ihnen etwas nützt oder sie dadurch eine Belohnung für ihre Mühe bekommen, doch wenn Schwierigkeiten und Probleme nicht sehr bald gelöst werden können, lassen sie wertvolle Freundschaften bald fallen. In Matthäus 18:15-17 hat uns Jesus ein mächtiges Werkzeug gegeben um Beziehungen zu heilen. Leider sind aber nur wenige Christen und Leiter dazu bereit, dieses Prinzip anzuwenden. Stolz, Eifersucht, Scham und Religiosität bewegt viele Menschen dazu, einfach nur abzuwarten oder Gott darum zu bitten, dass er die Umstände perfekt macht, so dass sich die Probleme lösen, ohne sich wirklich demütigen zu müssen. Ist das echte Liebe? 

3. Doktrinäre Ebene: In 1. Johannes 2:15-18 sehen wir, dass der authentische Glaube nicht weltlich ist, sondern auf der Wahrheit von Christus gegründet ist. (1. Johannes 2: 18-27). Johannes zieht eine scharfe, kompromisslose Linie: Wenn du die Welt liebst, liebst du nicht den Vater. Das Wort «Liebe» (im Griechischen Agape) deutet eine Verbindlichkeit an, welches kein Gefühl, sondern einen Befehl beinhaltet! Der einzige Weg, wie du die Liebe zur Welt bekämpfen kannst, ist die Liebe zum Vater zu erhalten und darin zu wachsen. Hast du auch schon bemerkt, dass so wenige Gläubige realisieren, wie viel Weltlichkeit in ihrem Leben ist? Was bedeutet Weltlichkeit? Johannes gebraucht dieses Wort ebenfalls in Bezug auf das Böse: ein organisiertes System unter Satans Führung, welches durch ungläubige, Gott feindlich gesinnte Leute regiert wird. In 1. Johannes 5:19 lesen wir, «Wir wissen dass wir von Gott sind und dass die ganze Welt in der Macht des Bösen liegt.» Jesus sagt, dass die Welt (mit ihren ungöttlichen Gedanken, Haltungen, Motivationen,

Werten und Zielen) ihn und all jene, die ihm nachfolgen, hasst. (Johannes 15:18-19) Die Welt ist nicht darauf aus, Gottes Herrlichkeit und Königreich zu verbreiten oder sich unter seine Autorität zu stellen. Das ist der Grund, wieso wir nicht die Welt lieben sollen. Es gibt 3 Aspekte von «allem was in der Welt ist» welche wir bekämpfen sollen und welche Johannes spezifisch untersucht:

1. Die Lust des Fleisches (Hedonismus) ist nicht die Liebe zum Vaters, sondern die Liebe zur Welt.

Lust bedeutet ein starkes Verlangen oder einen Impuls, und das Fleisch bezieht sich auf unsere gefallene Natur, welche bei der Erlösung noch nicht eliminiert wurde. Die Lust des Fleisches beschreibt jedes starke Verlangen oder jede Neigung unserer gefallenen Natur, welche sexuelle Sünden, aber auch alle selbstsüchtigen Einstellungen einbezieht, mit denen wir geboren wurden. Wenn wir von diesen Neigungen und Verlangen getrieben werden, leben wir einen hedonistischen Lebensstil. Hedonismus ist eine alte Philosophie, die auf dem höchsten ethischen Prinzip des Strebens nach permanent individuellem, physischem und psychischem Vergnügen gründet. Mit anderen Worten: alles was mir Vergnügen macht, muss folglich auch gut für mich sein. Viele natürliche Sehnsüchte und Wünsche sind legitim, wenn sie unter Kontrolle sind und in dem Rahmen gelebt werden, wie es Gott vorgesehen hat. Das Verlangen nach Essen, Gemeinschaft, Sex und Sicherheit ist berechtigt, wenn wir diese Dinge innerhalb von Gottes Richtlinien ausleben und wenn wir ihnen nicht erlauben, den Platz Gottes in unseren Herzen einzunehmen. Sie werden jedoch sündhaft, wenn wir diese Wünsche in selbstsüchtiger und ungöttlicher Art und Weise ausleben. Ebenso ist der (falsche) «Gott der Freiheit» einer der stärksten Festungen unserer modernen Gesellschaft. Wenn jemand ein Jünger von Jesus ist, muss er aufhören, der Fleischeslust zu dienen. Wahre Freiheit findet man nur in Gott allein! Wir waren nie so frei, wie seit wir mit Christus allein verbunden wurden. (Paulus beschreibt sich selbst als Diener oder freiwilliger Sklave Christi, Römer 1:1)

2. Die Lust der Augen (Materialismus) ist nicht die Liebe zum Vaters, sondern die Lust der Welt.

Dieser Begriff deutet auf die sündigen Wünsche des Geizes und der Habgier hin. Du verlangst nach dem was du nicht hast, aber was andere vielleicht haben könnten. Dieser Gedankenweg führt zum Materialismus (eine Lehre, in der materieller Erfolg und Fortschritt die höchsten Werte im Leben darstellen). Durch unsere Augen appelliert die Welt an uns, Befriedigung im Oberflächlichen zu finden, was niemals unser Verlangen nach Liebe erfüllen kann. »Kaufe ein neues Haus und du wirst glücklich!» «Finde eine schöne Frau (oder einen gut aussehenden Mann) und du wirst glücklich sein.» «Erhalte den perfekten Job und habe viel Geld und dir wird es gut gehen» Wenn wir auf die Leben der reichen und berühmten Menschen (z.B Schauspieler) schauen, sehen wir, dass keine dieser Aussagen erfüllt, was sie versprechen.

3. Der Stolz des Lebens (Humanismus) ist nicht die Liebe zum Vaters, aber die Lust der Welt.

Die “Lust des Fleisches” und die “Lust der Augen” beschreibt das Verlangen nach dem, was wir nicht haben. Der “Stolz der Welt” hingegen, bezieht sich auf den sündhaften Stolz über das, was wir besitzen.
Die Segnungen der Vergangenheit können ziemlich einfach zu Flüchen in der Zukunft werden. Das Verlangen, besser zu sein als andere, gibt uns ein Gefühl des Erfolgs. Natürlich sind wir dazu berufen, gute Verwalter von Gottes Gaben zu sein, aber viel zu schnell vergessen wir, dass Er uns alles gegeben hat, was wir haben (1. Korinther. 4:7). Dadurch geben wir dem Stolz Raum in uns, welcher uns dazu verleitet, selbstzentriert zu werden. Das ist der Kern der Philosophie des Humanismus, der den Menschen ins Zentrum des Universums stellt. Selbstgenerierter Stolz war der Hauptgrund, weshalb Satan aus dem Himmel geworfen wurde, und genau dieses Problem verleitete Adam und Eva dazu, Gott den Rücken zu kehren und somit den Garten Eden zu verlieren.

Wie können wir uns die Liebe zum Vater erhalten? Wenn wir Gott lieben, werden wir das lieben, was er will. Zu sagen, dass man Gott liebt aber nicht liebt, was Gott tut, macht keinen Sinn. Wir lieben unseren Vater im Himmel und deshalb gefällt es uns, ihm zu gehorchen, seinen Willen zu tun und ihm unser Leben als lebendige Anbetung hin zu geben. Jesus sagt: «Wenn du mich liebst, wirst du meine Gebote halten» (Johannes 14:15) oder «Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.» (Johannes 15:10)

In 1. Johannes 2:17 werden wir daran erinnert, dass die Verheissungen Gottes immer eine ewige Perspektive haben. Niemand baut sein Haus auf ein sinkendes Schiff und keine vernünftige Person würde einen Schatz dort aufbewahren, wo Motten und Rost ihn zerfressen oder wo Diebe einbrechen und ihn stehlen könnten, oder? Diese Welt wird einmal vergehen! Wenn du die Welt oder ihre Dinge liebst, wirst du sie verlieren, wenn du einmal stirbst. Wenn du erfahren hast, was es bedeutet, ein Herz für Gott zu haben, aber deine Liebe zu ihm erkaltet und schwach geworden ist, brauchst du den Heiligen Geist, um die Liebe und Leidenschaft für Jesus wieder zu entzünden. Es ist ein wundervolles Privileg, unser Leben in Gottes Licht leben zu können und ein Teil seines Königreichs zu sein! Nichts in der Welt wird mehr wichtiger sein als Gottes Liebe in deinem Herzen zu erfahren. 

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